Interview

Wie lange leben Sie schon in Sachsen-Anhalt?

Ich komme aus Sachsen-Anhalt, lebe also seit meiner Geburt hier. Aufgewachsen bin ich in Burg.

Auf welche Ausbildung und welche beruflichen Erfahrungen blicken Sie zurück?

In habe in London und Halle Philosophie und Germanistik studiert und mit Magistra Artium abgeschlossen. Beruflich war ich Projektleiterin beim Friedenskreis Halle, als Geschäftsführerin sowie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Bildungsmanagerin tätig. Momentan arbeite ich als Lehrerin für Deutsch als Zweitsprache an der Gemeinschaftschule Kastanienallee.

Wie sind Sie zur Politik gekommen?

Mein politisches Engagement entstand vor allem in schulischen und universitären Gremien zu Fragen von sozialer Gerechtigkeit, Teilhabe und Nachhaltigkeit. Im Jahr 2011 bin ich dann bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eingetreten. Obwohl mir besonders wegen meiner ostdeutschen Sozialisation die Bindung an eine politische Partei nicht leicht fiel, bin ich glücklich bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN eine politische Heimat gefunden zu haben. 2014 wurde ich dann in den Stadtrat der Stadt Halle gewählt und habe dort den Vorsitz des Bildungsausschusses übernommen. Außerdem wurde ich als Mitglied in den Sozialausschuss, in den Aufsichtsrat der Halleschen Wasser und Stadtwirtschaft GmbH (HWS) und den Beirat der Stadion GmbH gewählt.

Was treibt Sie an?

In meinem politischen Handeln treibt mich vor allem die Frage an, wie es gelingen kann gerechter und nachhaltiger zu handeln. Und dabei meine ich nicht allein den lokalen Fokus, sondern auch die große, globale Perspektive. Ganz praktisch gesprochen kommt es mir etwa beim Ressourcenverbrauch nicht nur auf die Energieeffizienzklasse allein an, sondern auf die Umweltverträglichkeit im Ganzen, welche bei der Gewinnung von Rohstoffen, unter Einbeziehung von Arbeitsbedingungen, Transportwegen etc. beginnt, und mit der Rückführung in den Stoffkreislauf endet.

Was haben Sie sich im Falle einer Wahl zum Mitglied des Landtages vorgenommen?

"Mit Bildung und Verantwortung in die Zukunft" lautet meine Maxime als Mensch und als Politikerin. Dabei bin ich mir sicher, dass in besserer Bildung und mehr Umwelt- und Klimaschutz die Zukunft unseres Landes liegt. Im Falle meiner Wahl werde ich mich vor allem mit bildungs- und sozialpolitischen Fragen beschäftigen. Wir brauchen eine Agenda in der Bildungspolitik, in welcher die frühkindliche, die schulische, die wissenschaftliche, die berufsqualifizierende und die berufsbegleitende Bildung zusammen gedacht werden. Gelingen kann dies nur mit Investitionen in Struktur und Inhalt. Das Land muss die Kommunen hier finanziell entlasten, damit diese in ihre Kita- und Schulgebäude investieren. Wir brauchen mehr qualifiziertes Personal für eine bessere Bildung in jedem Alter, modernisierte Lehramtsstudiengänge und Schulautonomie und wir brauchen längeres gemeinsames Lernen.

Welche Rolle spielt Sachsen-Anhalt in Deutschland und in Europa und welche Perspektiven sehen Sie für das Land?

Sachsen-Anhalt bildet den geografischen Mittelpunkt von Deutschland und ist ein wichtiger Wirtschafts- und Sozialfaktor innerhalb der Metropolregion Mitteldeutschland. Perspektivisch kann sich Sachsen-Anhalt weiter als international beachteter Standort innovativer und vor allem nachhaltiger Technologien entwickeln und Vorbild für eine am Gemeinwohl orientierte Wirtschaftspolitik sein. Doch heutzutage bedeutet Landespolitik wirksam zu gestalten, auch und besonders die bestehenden Einflussmöglichkeiten auf europäischer Ebene zu nutzen, denn wichtige Themen für das Land Sachsen-Anhalt, wie Klima-, Bildungs- und Hochschulpolitik, Struktur- und Agrarpolitik werden in Brüssel gestaltet. Ich werde mich dafür einsetzen, die europäischen Partnerschaften unseres Landes zu stärken und zu reaktivieren. Zudem gilt es europäische und internationale Partnerschaften von Schulen, Städten und anderen zu unterstützen und auszubauen.

Wie wollen Sie die Zukunft Sachsen-Anhalts mitgestalten?

Die Zukunft von Sachsen-Anhalt ist vor allem die Zukunft unserer Kinder. Deshalb stehe ich für mehr Mitbestimmung junger Menschen und für die Einführung des Wahlrechts ab 14 Jahren. Hier gilt es zum einen die Jugend für die politische Debatte und demokratische Prozesse zu gewinnen und ihre Eltern- und Großelterngeneration für Politik und Entscheidungsprozesse wieder zu begeistern. Die Zukunft unseres Landes liegt für mich aber auch darin, die Chancen, die Sachsen-Anhalt bietet, zu erkennen und zu entwickeln. Etwa bei der Förderung eines nachhaltigen Tourismus mit naturnahem Saaletourismus, mit der Elbe als natürlichem Lebensraum, funktionierendem Hochwasserschutz. sowie in der Förderung der kulturellen Identität von Städten und Gemeinden, Regionen und Land.

Wie denken Sie über die in Sachsen-Anhalt in den letzten Monaten aufgenommenen Flüchtlinge? Welche Chancen und Probleme sehen Sie und wie möchten Sie darauf reagieren?

Geflüchtete müssen wir hier in Sachsen-Anhalt willkommen heißen und vor allem ankommen lassen. Die Personen, die zu uns kommen, fliehen aus Situationen des Krieges und existentieller Not. Mit den Personen, die wir aufnehmen, müssen wir das Zusammenleben organisieren – mit Menschlichkeit und Solidarität. Dazu gehört zunächst, dass wir mit ganz praktischen Problemen umgehen und fragen, wie wir Wohnraum schaffen, ausländische Bildungsabschlüsse leichter anerkennen, Deutschkurse und die Integration der Kinder in Kitas und Schulen organisieren und wie wir Kontakte ermöglichen. Eine wichtige grüne Forderung ist hier die dezentrale Unterbringung von AsylbewerberInnen in Wohnungen. Entschlossen trete ich dabei gegen Fremdenhass und Rassismus ein, nehme jedoch die Sorgen und Fragen der Bürgerinnen und Bürger in Sachsen-Anhalt ernst.

Was möchten Sie als Abgeordnete des Landtages für Ihren Wahlkreis tun?

Der Wahlkreis 35 – Halle 1 ist mein zu Hause und meine Heimat. Hier habe ich unzählige Fixpunkte. Ich selbst wohne in Halle-Dölau, meine Söhne gehen in Halle-Neustadt zur Schule. Meine Schwiegereltern gehören zur ersten altneustädter Generation und sind nur einen Katzensprung weiter gezogen, nämlich nach Halle-Nietleben. Konkret anpacken und voranbringen möchte ich die Zukunft von Halle-Neustadt – familiengerechtes Wohnen, sozialer Wohnungsbau sowie die Futurisierung des Plattenbaus können hier Antworten bringen.

Welcher ist Ihr Lieblingsort in Sachsen-Anhalt?

Die Dölauer Heide!